Das schöne Spiel im schönen Land

Junge am Strand mit Fußball
Foto: samywerk/fotolia

Brasilien 2014 – das ist auch außerhalb des erhofften Fußballspektakels ein tolles Reiseland mit beeindruckenden Städten, einer blühenden Kultur und imposanten Naturschauspielen. Allein die zwölf Spielorte und ihre Umgebung versprechen einzigartige Reiseerlebnisse. Manaus im Regenwald Amazoniens, die Strandmetropolen Fortaleza und Natal mit ihrer Dünenlandschaft, die eng mit dem brasilianischen Gründungsmythos verbundenen Städte Recife und Salvador oder gar Rio de Janeiro, für viele die schönste Metropole der Welt – Brasilien schillert in tropisch-bunten Regenbogenfarben.

Die Hauptstadt Brasília gilt als einzigartiges Architekturmonument, Cuiabá ist das Tor zu den Naturschätzen des Feuchtgebietes Pantanal, Curitiba wurde von der UNO als Modellstadt ausgezeichnet, und von Belo Horizonte ist es nicht weit zu den Barockstädten im Hinterland. Im südbrasilianischen Porto Alegre finden sich viele deutsche Spuren, und die Weltstadt São Paulo, die niemals schläft, besticht nicht nur durch Größe und Internationalität.

Es gibt also viel zu entdecken in diesem Land zwischen Urwald und Computerwelt. Doch der wahre Schatz Brasiliens sind die Brasilianer selbst. „Der Beitrag Brasiliens zur Zivilisation wird die Herzlichkeit sein“, schrieb einst der Historiker Sergio Buarque de Holanda, und das ist auch heute noch richtig. Herzlich, höflich, fröhlich, ungezwungen, hilfsbereit und gastfreundlich sind die Brasilianer. Ansteckende Lebensfreude ist allgegenwärtig, gepflegt wird ein respektvoller Umgang, stets ist man um Konsens bemüht. Das sind die eigentlichen Gründe, warum so viele Reisende immer wiederkehren.

Kirche in Bahia

Fußballfest wird Volksfest

Brasilien ist ein junges Land, nicht nur bezogen auf die Bevölkerung. Metropolen wie Curitiba, Natal oder Fortaleza waren vor 100 Jahren gerade einmal Kleinstädte. In denen allerdings auch damals schon viel gefeiert wurde. Der neben dem Karneval wichtigste Fest-Zyklus Brasiliens sind die Johannes-Feiern rund um den 24. Juni, also mitten in der WM. Das Fußballfest wird dann in ein Volksfest übergehen, die in Deutschland so wenig bekannte brasilianische Volkskultur erobert die Straßen – der sinnlichen Fröhlichkeit brasilianischer Feste kann sich kaum jemand entziehen.

Neben Musik, Tanz und der Lust an der Schönheit ist der Fußball ein wichtiger Teil der Nationalidentität. Wie überall auf der Welt geht es um Erfolg und Niederlage – und doch auch um mehr. Die Fans erwarten das „jogo bonito“, das schöne Spiel. Einfach nur gewinnen reicht nicht, es muss auch schön gespielt werden. Die brasilianischen Fans – und alle Brasilianer sind Fußballfans – sind berühmt für ihre Ausgelassenheit und ihre Emotionalität. Zugleich sind sie äußerst kritisch. So wie von Sambatänzern erwartet wird, dass sie ihr Metier beherrschen, so wird auch von der Seleção höchstes Niveau verlangt. Das ist eine Frage der Ästhetik – und der Sinn für Schönheit ist in dem Land unterm Zuckerhut eben sehr ausgeprägt.

Fußball vereint die sportbegeisterten Brasilianer. So richteten sich auch die Demonstrationen im Sommer 2013, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgten, nicht an sich gegen das Fußball-Spektakel im kommenden Jahr oder den gerade stattfindenden Confed-Cup, sondern gegen die mangelnde öffentliche Versorgung etwa im Gesundheitswesen oder im Nahverkehr. Bei dem grandiosen Aufstieg zu einer neuen, weltweit bedeutenden Wirtschaftsmacht – und den Investitionen etwa in die neuen Stadien – wurde versäumt, solch grundlegenden Aspekten ausreichend Augenmerk zu widmen. Die politisch aufgewachten Brasilianer werden in ihren Forderungen sicher nicht nachlassen. Die „Copa 2014“ werden sie sich aber dadurch nicht entgehen lassen.

Erwartet werden von der brasilianischen Tourismusorganisation Embratur über 600.000 Gäste aus allen Teilen der Welt, etwa drei Millionen Brasilianer werden als Fans unmittelbar an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Ein ganzes Volk von über 190 Millionen Fußballbegeisterten wird mitfiebern, in den Stadien, auf den Straßen, in den Kneipen und vor dem eigenen Fernseher. Die Herzen gehören natürlich dem eigenen Team – und dann kommt lange nichts. Dann aber kommt bei vielen Brasilianern das „jogo bonito“ der deutschen Nationalmannschaft, die sich in den vergangenen Jahren viel Ansehen erspielt hat.

Gauchos

Sag’s Brasilianisch

Auf der Straße, beim Bus- oder Taxifahrer, in der Lanchonete, der Eckkneipe, bei der lokalen Autovermietung, in Geschäften oder bei den meisten Passanten ist Englisch nicht weit verbreitet. Nur die jüngeren oder besser ausgebildeten Brasilianer und das Personal in den großen Hotels und guten Restaurants zeigen wenig sprachliche Berührungsängste mit Englisch (oder auch Französisch). Alle Brasilianer freuen sich aber, wenn Ausländer versuchen, in ihrer Sprache zu reden – und seien es nur ein paar Brocken. Sehr hilfreich sind Spanisch- oder Italienischkenntnisse – viele Brasilianer verstehen die Sprachen, man kann leicht Brücken bauen.

Die Brasilianer reden sich mit Vornamen an und „tu“ oder „você“ für du. Selbst die Staatspräsidentin heißt Dilma und nicht Frau Rousseff. Brasilianer sind sehr höflich – geht es um Respektpersonen (und das sind alle älteren Menschen) werden Männer mit Senhor (oder Seu) und Frauen mit Senhora (oder Dona) angesprochen. Bei besonders offiziellen Anlässen werden alle Titel genannt. Anders als in den USA werden in Brasilien die dunkelhäutigen Nachfahren der Sklaven „negro“ genannt – „preto“, also Schwarzer, gilt hingegen als diskriminierende Bezeichnung.

Das brasilianische Portugiesisch kennt eine Reihe von Phrasen: So hört man etwa „tudo bem?“ (Alles klar?) als Text zum erhobenen Daumen täglich Dutzende Male. Solche Formeln gehören zu dem hohen Höflichkeitsgrad im sprachlichen Umgang. Wer sie nutzt, erntet ein Lächeln. Der Gebrauch der Suffixe für klein (-inho) oder groß (-ao) ist weit verbreitet. Es wird halt sprachlich gern etwas übertrieben, was eine gewisse Vertraulichkeit schafft. Gepflegt wird ein poetischer, ein tropisch-blumiger Ausdruck, bei dem ein gelungener Witz viele Punkte bringt. In den einzelnen Bundesländern und Regionen sind die Dialekte deutlich ausgeprägt. Ebenfalls gibt es viele nur regional/lokal gültige Begriffe, an den Zeitungsständen in Salvador wird nicht zufällig ein Wörterbuch für nur in Bahia gültige Bezeichnungen angeboten.

Wie bei so vielen Dingen haben es sich die Brasilianer leicht gemacht und viele Regeln des originären Portugiesisch in ihrer Alterssprache über Bord geworfen. Üblich ist auch eine große Geduld gegenüber denjenigen, die sich mit nur wenigen Worten ausdrücken möchten. Insbesondere dann, wenn die Versuche nicht mit verregneter Mimik, sondern mit einem Lächeln vorgetragen werden.


Brasilien


Fakten Brasilien:

Offizieller Name: República Federativa do Brasil

Fläche: 8,5 Mio. Quadratkilometer (beinah die Hälfte der Fläche Südamerikas)

Bevölkerung: 194 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Brasília (450.000 Einwohner, Bundesdistrikt 2,4 Mio.)

Struktur: 26 Bundesstaaten und der Bundesdistrikt Brasília

Staatsoberhaupt und Regierungschefin: Dilma Vana Rousseff (PT, Partei der Arbeiter)



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