12.07.2014

Finale gegen Argentinien

Ein Argentinischer Fan

Wieder Rio! Die Reise hat die deutsche Mannschaft also wirklich bis ins Endspiel geführt. Nach dem – wir müssen es noch einmal sagen – historischen Halbfinalsieg gegen Brasilien kommt auch der Finalgegner aus Südamerika.

Argentinien bot bisher kein wirklich spektakuläres Spiel, kam meistens durch Treffer kurz nach Beginn oder kurz vor Ende der Partie weiter und lieferte nicht mehr ab als unbedingt nötig. Im Halbfinale gegen die Niederlande war dies nach 120 torlosen Minuten mehr Nervenstärke im Elfmeterschießen.

Aber das ist vielleicht genau das Rezept, das bei dieser WM den Erfolg bringt. Ein Spiel um 13 Uhr in der Mittagssonne muss anders angegangen werden als zu europäischen Champions-League Anstoßzeiten.

Will die deutsche Mannschaft heute den ganz großen Wurf schaffen und 24 Jahre nach dem letzten WM-Titel 1990 – übrigens ja auch gegen Argentinien – den Pokal ein viertes Mal in die Höhe stemmen, muss sie in erster Linie Lionel Messi schlagen.

10 Spieler plus ein Messi

„La Pulga“, der Floh, wie Messi ob seiner Größe und Tempodribblings genannt wird, drückte der Albiceleste bei diesem Turnier den Stempel auf. Dafür genügt schon ein Blick auf die Statistik, vier Feldtore selber erzielt und eins vorbereitet bei insgesamt acht Turniertreffern der Argentinier – das zeigt die Abhängigkeit von einem Messi in Topform. Danach sah es über lange Phasen der Saison nicht aus, wie seine Teamkollegen bei Barcelona wirkte auch Messi irgendwie müde, weit weg von der Form vergangener Jahre. Hinzu kamen einige verletzungsbedingte Auszeiten und eine Häufung von Schwindelanfällen. Aber rechtzeitig zu Turnierbeginn war er dann wieder in Gala-Form.

Doch sollte man nicht den Fehler machen, das Team nur auf Lionel Messi zu beschränken. Die Mannschaft ist besonders im Offensivbereich gespickt mit Weltklassespielern. Da wäre der – aber vermutlich angeschlagene – Angel di Maria, der in Madrid die offensive Außenbahn beherrscht. Ganz vorne lauert Gonzalo Higuain auf seine Chancen, neben ihm, hinter ihm und vor ihm wirbelt Ezequiel Lavezzi. Und auch das defensive Mittelfeld mit Javier Mascherano und Fernando Gago kann Angriffsreihen zur Verzweiflung bringen.

Im aktuellen Kader befindet sich kein Spieler, den die deutschen Fans aus der letzten Bundesligasaison kennen könnten. Dafür findet sich ein alter Bekannter in der Abwehrkette. Martin Demichelis erlebt seinen nächsten Frühling und hat den Sprung zur WM-Endrunde geschafft.

El pibe de oro

Allgegenwärtig ist immer noch der „Goldjunge“, Diego Armando Maradona, mit ihm, zumindest auf dem Spielfeld, fuhren die Argentinier ihre größten Erfolge ein, gekrönt vom Weltmeistertitel 1986 gegen Deutschland. Vier Jahre später behielt dann die deutsche Mannschaft die Oberhand.

2010 versuchte er sich auf der Trainerbank und mit Messi, als seinem Nachfolger im Trikot mit der 10, sollte endlich wieder ein Titel gelingen. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt. Wer ist noch gleich Thomas Müller, Herr Maradona?

Trotz des Viertelfinalaus von 2010 und seiner Eskapaden wird Maradona sein Status als Nationalheld auf Lebenszeit nicht genommen werden. Schon jetzt ist in Buenos Aires ein Stadion nach ihm benannt.

WM-Historie

Die jüngere WM-Historie der beiden Mannschaften ist eng miteinander verknüpft. Bei den letzten beiden Turnieren kreuzten sich die Wege jeweils im Viertelfinale. Jeweils mit dem besseren Ende für das deutsche Team. 1986 und 1990 traf man sich im Finale. Nach dem Titel 1986 unterlagen die Argentinier 1990 in Rom der deutschen Elf.

Insgesamt bestreiten die Argentinier nun ihre 16. WM, neben 1986 konnten sie auch 1978 den Pokal holen. Damals im eigenen Land und sehr zum Gefallen der damals herrschenden Militärjunta. Zudem holte die Auswahl schon 14 -al die Copa Americana, das südamerikanische Pendant zur Europameisterschaft.

Bilanz gegen Deutschland

Insgesamt trafen beide Teams bislang 20-mal aufeinander. Die deutsche Elf ging sechsmal als Sieger vom Feld, neben fünf Unentschieden gab es aber auch neun Niederlagen. Das Torverhältnis ist mit 28:28 ausgeglichen.