Bayern München

Alle Hoffnungen waren bisher vergebens. Selbst ein katastrophaler Saisonstart und die lange Pause im Frühjahr dieses Jahres konnten den FC Bayern München nicht stoppen. Diesen Dienstag machte der Titelverteidiger mit einem knappen Sieg gegen Werder Bremen den Sack zu und wird daher am Ende der Saison 2019/2020 seinen insgesamt 30 Meistertitel in der Deutschen Fußball-Bundesliga feiern. Das ist bereits der achte Triumph hintereinander. Zuletzt schaffte es der deutsche Kult-Trainer Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund die Mega-Bayern zweimal hintereinander in die Schranken zu weisen. Doch diese Zeit ist lange her, seit einigen Jahren scheinen die Münchner den Titel förmlich abonniert zu haben. Dabei verliefen die letzten Saisonen alles andere als harmonisch und nicht nach Plan.

Der erste Versuch scheiterte knapp

Bereits im Vorjahr wackelte Trainer Nico Kovacs mehr als nur bedenklich. Ein schlechter Saisonstart ließ den Serienmeister gegen den neu aufgestellten BVB schlecht aussehen. Dort hatte man endlich den Wunschtrainer Lucien Favre an Land gezogen und ging hoch motiviert in die Saison. Dementsprechend groß war der Vorsprung, den sich die Schwarz-Gelben im Zug der ersten Begegnungen herausspielen. Bereits im Herbst sah alles nach einem vorzeitigen Abgang des Bayern Trainers aus, doch dieser konnte sich entgegen aller Erwartungen in München halten. Borussia Dortmund spielte währenddessen in einer eigenen Liga. Doch die Erwartungen auf eine Ablöse des Seriensiegers aus Bayern wurde wieder einmal enttäuscht. Frisch gestärkt durch die Winterpause holte Bayern München den Rückstand auf. Die Defizite waren verschwunden und der BVB geriet immer weiter unter Druck. Zwar gelang es der Mannschaft von Lucien Favre mehrfach wieder zurückzukommen, doch alle Matchbälle auf einen Triumph über Bayern München wurden vergeben. Und so endete die Saison, wie die vorherigen sechs Spielzeiten ebenfalls mit dem Titel für die Münchner.

Vier Anwärter kämpften um den Titel

Letztes Jahr sollte dann alles anders werden. Dafür verantwortlich waren nicht nur der neuerlich schlechte Saisonstart des Meisters, sondern vor allem eine nie gekannte Leistungsdichte zu Beginn der Saison. Der Tabellenführer wechselte beinahe im Wochentakt, bis zu neun Mannschaften drängten sich an der Spitze. Den Vogel schoss eine Situation ab, in der sich nicht weniger als zwölf Teams innerhalb weniger Punkte ganz vorne befanden. Zu diesem Zeitpunkt schien in der Deutschen Fußball-Bundesliga fast alles möglich zu sein. Der VfL Wolfsburg war Tabellenführer, der SC Freiburg verpasste einmal den Sprung an die Spitze nur ganz knapp und der FC Bayern rutschte auf Platz fünf der Tabelle ab. Die Hierarchien im deutschen Fußball waren für einige Wochen völlig auf den Kopf gestellt. Die Fans waren zufrieden, schließlich gab es lange nicht mehr so viel Spannung in der Liga.

RB Leipzig erstmals Herbstmeister

Doch wie erwartet sollte es sich dabei nur um eine vorübergehende Ausnahmesituation handeln. Je länger die Saison dauerte, desto mehr kristallisierten sich zumindest vier Mannschaften heraus, die das Potenzial für die Meisterschaft in sich trugen. Neben dem FC Bayern München waren dies Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach. Die hatten gegen Ende der Hinrunde die Tabellenführung erobert und musste diese dann doch an die immer stärker werdende Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann abgeben. RB Leipzig wurde erstmals Herbstmeister der Deutschen Fußball-Bundesliga. Im Stadion herrschte Partystimmung und Torjäger Timo Werner schürte bereits die Hoffnung, dass die dritte Kraft aus Ostdeutschland am Ende der Saison erstmals ganz oben stehen könnte. Der Vorsprung auf Bayern München mit vier Punkten und auf Borussia Dortmund mit sieben Punkten war durchaus beeindruckend. Doch es sollte nicht so weit kommen.

Bayern München schlägt zurück

In München hatte man bereits zuvor seine Hausaufgaben erledigt. Trainer Niko Kovacs musste im Herbst gehen. Stattdessen übernahm sein Co-Trainer Hansi Flick das Training. Die Suche nach einem international anerkannten Experten verlief im Sande und so bekam Flick Gelegenheit sich und seine Fähigkeiten zu beweisen. Dieser nutzte die unerwartete Chance grandios. Es gelang ihm das sich zuvor in Auflösung befindliche Team neu zu vereinen. Die Leistungsträger waren neu motiviert und führten den FC Bayern München zu alter Größe zurück. Währenddessen lieferte der beste Torjäger der Saison weiterhin beständig ab. Robert Lewandowski hatte sich als unverzichtbar erwiesen. Selbst eine Operation in der Winterpause konnte den Polen nicht stoppen, er traf weiterhin nach Belieben. Das machte sich irgendwann bezahlt. Viel schneller als erwartet kam es bei den direkten Konkurrenten zu einem Leistungseinbruch. Während der BVB und RB Leipzig Punkt um Punkt abgaben, gewannen die Bayern ihre Spiele konstant.

Bayern München schlägt zurück

Titel ohne Ende?

Selbst die lange Pause im Frühjahr konnte an der Situation nichts mehr ändern. Zwischenzeitlich war es der Vereinsführung gelungen die Verträge von Thomas Müller und Manuel Neuer zu verlängern. Die Gespräche mit dem neuen Abwehrchef David Alaba laufen zumindest so gut, dass dieser einen schon sicher geglaubten Wechsel ins Ausland wieder infrage stellt. Mit neuem Schwung kam es in Dortmund zu einer Vorentscheidung. Bei vier Punkten Rückstand hätten die Schwarz-Gelben bei einem Sieg noch die Situation zu ihren Gunsten beeinflussen können, doch Bayern München gewann auch im direkten Duell. Mit dem 1:0 Erfolg in Bremen ist nun auch der Form Genüge getan, der Titelverteidiger ist wenige Spiele vor Schluss erneut deutscher Meister geworden. Die Aussichten diese Dominanz im nächsten Jahr zu brechen stehen schlecht. Hansi Flick ist auf einem guten Weg sein Wunschteam zusammenzuhalten. Der FC Bayern München steht im Cupfinale und hat auch in der UEFA Champions League noch alle Chance. Die Entwicklung der letzten Monate hat gezeigt, dass Flick einen klaren Plan verfolgt. Er dreht nicht am Rouletterad und hofft darauf, dass eine Einsätze Glück bringen. Anders als beim Spielen im Casino, wo das Glück regiert, hat er sein Ziel definiert und verfolgt dieses Schritt um Schritt. Angesichts seiner bisherigen Bilanz stellt sich die Frage, wer dieses Team in Zukunft in die Knie zwingen soll?